Der Brokermarkt
verändert sich rasant.

Der Verband Schweizerischer Versicherungsbroker (SIBA) vertritt die Interessen seiner heute 78 Mitgliedsunternehmen unter anderem gegenüber Behörden, dem Schweizerischen Versicherungsverband und Konsumentenschutzorganisationen. Mit einem Prämienvolumen von rund 8 Milliarden Franken und rund 2200 Beschäftigten verfügen die angeschlossenen Broker über grosses Gewicht im Schweizer Versicherungsmarkt. Umso wichtiger ist es, sich bei wichtigen Zukunftsfragen auch entsprechendes Gehör zu verschaffen. Business Insights sprach mit Markus Lehmann (Präsident SIBA) und Thargye Gangshontsang (Leiter Broker & Key Accounts Allianz Suisse) über die Herausforderungen im Brokermarkt.
Lehmann: Die Herausforderungen sind sehr vielfältig. Auf der einen Seite hält uns ‑ wie die gesamte Versicherungsbranche - natürlich die Digitalisierung auf Trab, auf der anderen Seite sind wir mit vielen regulatorischen Fragestellungen konfrontiert.

Lehmann: Die Regulierung nimmt natürlich in der gesamten Versicherungswirtschaft zu. Das Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) schreibt Verhaltensregeln vor, welche Finanzdienstleister gegenüber ihren Kunden einhalten müssen. Das ist im Kern eine gute Sache, sorgt aber auch für sehr viel administrativen Aufwand und offene Fragen. Das FIDLEG wurde wegen der Banken und nicht wegen Versicherern und Brokern lanciert. Die ganze Assekuranz muss unbedingt davor verschont bleiben und sich über das VAG selber regeln. Wir kämpfen vehement dafür, dass wir als unabhängige und ungebundene Versicherungsvermittler anerkannt werden. Zudem sind wir vor allem im Unternehmensgeschäft und weniger im privaten Segment tätig. Eine Registrierung der ungebundenen Vermittler (Broker) über das VBV-Modell Cicero macht deshalb für uns überhaupt keinen Sinn. Für uns zählt die FINMA-Registrierung, die international anerkannt ist. Wir haben auch eigene Ausbildungsgefässe für Broker. Kurzum: Wir sind eine eigene, unabhängige Branche und wollen von Politik und Wirtschaft auch so wahrgenommen werden.

Gangshontsang: Grundsätzlich ist die Idee hinter Cicero als Gütesiegel für kompetente Beratung in der Versicherungswirtschaft sehr gut und enorm wichtig. Wir als Versicherungsunternehmen akkreditieren Broker aber nur, wenn sie im FINMA-Register eingetragen sind. Da stellt sich für uns schon die Frage: Welches Register ist künftig relevant – Cicero oder FINMA? Zwei unterschiedliche Register zu führen, macht keinen Sinn. Entscheidend und Ziel muss sein, dass die Broker einen hohen Ausbildungsstandard sicherstellen und sich bzw. ihre Mitarbeitenden stetig weiterentwickeln.

Gangshontsang: Der Brokermarkt verändert sich rasant, es hat in diesem Bereich gerade in den letzten beiden Jahren sehr viel Bewegung gegeben. Der Schweizer Versicherungsmarkt ist gesättigt, die Prämien gehen tendenziell zurück, es gibt weniger Umsatz und Gewinnmöglichkeiten. Ähnlich wie wir als Versicherungsgesellschaft auch, sind Broker also sehr stark mit dem Thema Wachstum beschäftigt und wollen organisch oder anorganisch wachsen – beispielsweise durch Partnerschaften oder Zusammenschlüsse. Das habe ich bislang in diesem Ausmass noch nicht erlebt, es birgt aber auch neue Chancen für uns als Versicherungsgesellschaft.

Lehmann: Die Konsolidierung steigert auch die Qualität. Durch Effizienzsteigerungen im Brokergeschäft können wir noch schneller für unsere Kunden arbeiten. Das ist ein Riesenvorteil. Und je besser das Zusammenspiel zwischen Versicherern und Brokern ist, desto sicherer kann sich der Kunde fühlen. Wichtig ist festzuhalten, dass wir nur unseren Mandanten verpflichtet sind!

Lehmann: Es ist sehr wichtig, dass die Schnittstellen wie Courtagen, Offerten oder Schadenbearbeitung durch die Digitalisierung so optimiert werden, dass ein Broker dadurch wesentlich weniger Aufwand hat und effektiv Arbeitszeit einspart. Die kann er effizienter nutzen als für den tagtäglichen «Papierkrieg». Was ich allerdings feststelle, ist die Tatsache, dass die Qualitätsstandards bei den einzelnen Versicherungsgesellschaften diesbezüglich noch immer sehr unterschiedlich sind. Es gibt also noch viel Potenzial. Aber grundsätzlich wird kein Weg an der Digitalisierung vorbeiführen und die Spreu wird sich vom Weizen trennen.

Gangshontsang: Das stimmt, die Versicherungsindustrie hat da sicherlich noch Nachholbedarf. Die Allianz Suisse hat in den vergangenen Jahren bei der Digitalisierung ihrer Prozesse aber sehr grosse Fortschritte gemacht und wir haben verschiedene Interaktionsfelder geschaffen, um die Zusammenarbeit mit den Brokern effizienter zu gestalten – ob an den Schnittstellen oder bei Portallösungen und standardisierten Tools. Die Digitalisierung wird in allen Belangen zunehmen, vor allem im Massengeschäft mit Privatkunden. Aber eines darf man nicht vergessen: Das Broker- und Unternehmensgeschäft wird zwar immer digitaler, ist aber vor allem auch ein «people business», in welchem der persönliche Austausch wichtig ist und wichtig bleibt. Das macht es ja so spannend.

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