Schadenfälle bei Flotten mit gezielter Prävention minimieren

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Manchmal braucht es Mut, die Dinge beim Namen zu nennen und Veränderungen zu initiieren. Durch Unachtsamkeit können beim Einsatz einer Fahrzeugflotte hohe Kosten entstehen, die ein Unternehmen stark belasten. Prävention ist also das Gebot der Stunde, um Schäden zu vermeiden. Da grundsätzlich niemand absichtlich einen Schaden verursacht, ist es nicht immer einfach, über Prävention zu sprechen. «Mir ist wichtig, dass die Fahrzeuge und die Lenkenden unserer Kunden ihre Aufgaben effizient erfüllen können», sagt Christoph Kamber, Präventionsspezialist bei der Allianz Suisse. «Wir streben beim Präventionsmanagement nachhaltige Effizienz zugunsten unserer Kunden an, was letztlich zu tieferen Schadenkosten führt.» So skizziert Kamber das Präventionsprogramm Fleet Efficiency.

Was beinhaltet Fleet Efficiency konkret? Dazu gibt Christoph Kamber ein Beispiel aus der Praxis: «Bei unserer jährlichen Flottenportfolio-Analyse haben wir festgestellt, dass der Schadenverlauf eines unserer Kunden nicht optimal war. Die überdurchschnittlich hohen Schadenkosten sowie die Anzahl der Schadenfälle deuteten darauf hin, dass Massnahmen erforderlich waren. Mit diesen Erkenntnissen suchten wir das Gespräch mit dem Kunden. Es stellte sich heraus, dass der Kunde schon seit längerer Zeit Bedenken hatte. Er hatte das Gefühl, dass seine Lenkenden zu viele «Bagatellschäden» verursachen würden. Mal eine Beule hinten, mal ein Kratzer vorne usw. Nicht jeder dieser Schadenfälle wurde der Versicherung gemeldet. Alle Reparaturen, welche vermeintlich im Rahmen des Selbstbehaltes lagen, wurden direkt in Auftrag gegeben und direkt beglichen. Folglich lag die Anzahl der effektiven Schadenfälle sogar um 30 % höher als die von der Allianz ermittelten.

Man einigte sich auf folgendes Vorgehen: Basis war, die Daten der gemeldeten Schäden aus der Datenbank der Allianz zu analysieren. Jede einzelne Schadenmeldung wurde gesichtet, um herauszufinden, was die wirklichen Schadenursachen waren. Die erfassten Aussagen der Schadenmelder, die involvierten Fahrzeuge und Lenkenden, der Schadenort, aber auch die Wochentage und Tageszeiten mussten analysiert werden. Diese Daten wurden mit den Angaben des Kunden über die nicht gemeldeten Schadenfälle ergänzt.

Das Resultat war eindeutig: Die meisten Schadenfälle ereigneten sich bei der An- und bei der Wegfahrt der Lenkenden bei ihren Kunden. Weiter wurde festgestellt, dass bei gewissen Fahrzeugen die mangelnde Sicht nach hinten das Manövrieren erschwert. Bei den Prozessen wurde festgestellt, dass beim Eintreffen und vor der Weiterfahrt bei Kunden Statusreporte via Mobile Devices übermittelt werden.»

Zusammenfassend stellt Kamber fest, dass die Risiken in den Bereichen Manövrieren respektive bei den Fähigkeiten der Lenkenden, der Fahrzeugtechnik, verdunkelte Seiten- und Heckscheibe und der Ablenkung durch Manipulationen an mobilen Geräten für die Statusmeldungen liegen.

«Die Erkenntnisse aus den Analysen haben wir dem Kunden präsentiert und eingehend mit ihm besprochen. Zudem haben wir aufgezeigt, dass die nicht durch die Versicherung gedeckten Schadenkosten, wie Reparaturkosten unter der Selbstbehaltsgrenze und die kundeninternen Prozesskosten (von der Schadenmeldung bis hin zum Wiedereinsatz des reparierten Fahrzeuges), bei nahezu 1350 Franken pro Schadenfall liegen. Die gesamten nicht durch die Versicherung gedeckten Kosten beliefen sich demnach bei einer Flottengrösse von 48 Fahrzeugen auf über 30 000 Franken. Hier liegt ein grosses Sparpotenzial für das Unternehmen», lautet Kambers Fazit der Analyse.

«Wir haben dem Kunden geraten, ein Präventionsprogramm über die kommenden 18 Monate durchzuführen. Gemeinsam wurden die Möglichkeiten ausgelotet und folgende Schritte definiert:

  • Information aller beteiligten Lenkenden und deren Führungskräfte über die gewonnenen Erkenntnisse und das Vorhaben, die Anzahl der Schadenfälle über die kommenden Monate zu reduzieren
  • Pro Trimester wird allen Beteiligten eine Schadenstatistik zugänglich gemacht
  • Bei der Beschaffung von neuen Fahrzeugen wird die Rundumsicht mehr gewichtet
  • Das Bedienen von Kommunikationsgeräten bei laufendem Motor wird verboten
  • Im Rahmen der jährlichen Weiterbildung nehmen alle Lenkenden und Führungskräfte an einem Referat eines Präventionsspezialisten der Allianz teil

Heute, neun Monate später, stellen wir erfreut fest, dass das Verantwortungsbewusstsein der Lenkenden erheblich gestiegen ist. Neue Fahrzeuge mit besserer Rundumsicht unterstützen die Lenkenden beim Manövrieren. Mit dem gelebten Slogan «Handy aus, Motor an…», welcher alle Fahrzeuge ziert, konnte das Vertrauen der Kunden des Flottenbetreibers gesteigert werden. Dies, weil mit dem Statement eine hohe Eigenverantwortung wahrgenommen wird. Die Anzahl der Schadenfälle wurde um über 30 % reduziert. Die nicht durch die Versicherung gedeckten Kosten sanken um über 40 %.

Nun steht die Planung der kommenden Massnahmen an. Denn Prävention ist keine einmalige Aktion, sondern eine fortwährend gelebte Massnahme», schliesst Christoph Kamber seine Ausführungen.

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