Anlässlich des Internationalen Frauentags veröffentlicht Allianz Research die Studie «Closing the Gender Income Gap: From Paycheck to Pension». Analysiert werden 14 OECD-Länder sowie drei Generationen: die Jahrgänge 1975, 2000 und 2025. Die zentrale Botschaft für die Schweiz lautet: Zwar haben Frauen in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Fortschritte beim Lebenseinkommen erzielt. Dennoch liegt ihr kumuliertes Einkommen über den gesamten Lebenszyklus weiterhin deutlich unter dem der Männer – und, wenn aktuelle strukturelle Trends anhalten, wird sich die Lücke sich bei der jüngsten Generation wieder ausweiten.
Wallisellen, 8. März 2026 – Die lebenslange Einkommenslücke1 ist in der Schweiz von 33,1 Prozent beim Geburtsjahrgang 1975 auf 32,1 Prozent beim Jahrgang 2025 gesunken. Im Vergleich der 14 untersuchten Länder liegt die Schweiz damit auf Rang 14. Zwar hat sich der Abstand zwischen Frauen und Männern in den vergangenen Jahrzehnten etwas verringert, doch der Vergleich der Jahrgänge 2000 und 2025 zeigt: Die Lücke beginnt sich erneut zu vergrössern. Um die weiterhin bestehenden Unterschiede bei Einkommen, Kapitalerträgen und Renten zwischen Frauen und Männern zu verringern, sind Reformen in allen Phasen des Erwerbslebens erforderlich. Ohne die Ausweitung vollzeitnaher Beschäftigung droht die Einkommenslücke über Generationen hinweg fortzubestehen oder sich erneut auszuweiten. Die Politik sollte bestehende Hürden abbauen – etwa durch den Ausbau bezahlbarer Kinderbetreuung, die Abschaffung steuerlicher Nachteile für Zweitverdienende und bessere Rahmenbedingungen für Vollzeit- oder vollzeitnahe Beschäftigung. Gleichzeitig können Frauen selbst dazu beitragen, die Lücke weiter zu schliessen: indem sie ihre Kompetenzen im Umgang mit KI ausbauen und ihre Finanzbildung stärken, um künftig stärker von Produktivitätsgewinnen und langfristigem Vermögensaufbau zu profitieren.
«Unsere Studie betrachtet das Lebenseinkommen ganzheitlich – von Erwerbseinkommen über Spar- und Kapitalerträge bis hin zu Pensionsansprüchen. Für die Schweiz dürfte die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern über das gesamte Leben für den Jahrgang 2025 noch 32,1 Prozent betragen. Damit liegt sie nahezu auf dem Niveau des Jahrgangs 1975. Das ist ernüchternd», erklärt Ludovic Subran, Chief Investment Officer und Chefvolkswirt der Allianz. Die Unterschiede im Lebenseinkommen entstehen vor allem im Erwerbseinkommen. Niedrigere Einkommen während des Berufslebens begrenzen den Vermögensaufbau und führen zu geringeren Rentenansprüchen. Entsprechend bleibt das Risiko von Altersarmut erhöht.
Der Hauptgrund für die im Vergleich hohen Unterschiede im Erwerbseinkommen ist die ausgeprägte Teilzeitquote. In der Altersgruppe der 25- bis 49-Jährigen arbeiten 60,5 Prozent der Frauen in Teilzeit, gegenüber 19,5 Prozent der Männer; bei den 50- bis 59-Jährigen beträgt der Anteil 68,7 Prozent bei Frauen und 17,5 Prozent bei Männern. Gleichzeitig sind die Erwerbsquoten bereits hoch (80,8 % bei Frauen gegenüber 87,4 % bei Männern) und nähern sich weiter an, ebenso wie die Stundenlöhne: Trotz einer derzeitigen Lohnlücke von rund 15 Prozent dürften sich die Stundenlöhne langfristig angleichen – in Teilzeit könnten Frauen Männer in den 2060er-Jahren überholen, in Vollzeit bis zum Jahr 2100 Gleichstand erreichen.
Dennoch dürfte das durchschnittliche jährliche Arbeitseinkommen von Frauen aufgrund der höheren Teilzeitquote weiterhin deutlich geringer ausfallen: Im Jahr 2026 verdienen Frauen in der Schweiz insgesamt 34 Prozent weniger als Männer. Sollten die aktuellen strukturellen Trends anhalten, würde die Lücke selbst im Jahr 2100 noch bei 24 Prozent liegen.
«Um die verbleibenden Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern zu schliessen, sind Reformen in allen Phasen des Erwerbslebens erforderlich», sagt Katharina Utermöhl, Head of Thematic and Policy Research bei Allianz Research. «Wichtige Massnahmen sind mehr bezahlbare Kinderbetreuung, der Abbau steuerlicher Nachteile für Zweitverdienende und bessere Bedingungen für Vollzeit- oder vollzeitnahe Arbeit. Gleichzeitig sollten Frauen stärker dabei unterstützt werden, an künftigen Produktivitätsgewinnen teilzuhaben – zum Beispiel, indem die 16-prozentige Lücke bei der Nutzung von KI im Arbeitsalltag2 geschlossen wird. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist es ausserdem wichtig, frühzeitig zu sparen und zu investieren, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Eine bessere Finanzbildung kann die jährliche Rendite um bis zu 1,5 Prozentpunkte erhöhen3».
Hier geht es zur Studie (nur in ENG): «Closing the gender income gap: from paycheck to pension».