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Schwere Erdbeben in der Schweiz sind möglich

Doch nur ein kleiner Teil der Schweizer Immobilien ist dagegen versichert

Nun hat die Allianz Suisse eine interessante Lösung für Hypothekennehmer der PK SBB entwickelt. 

Interview zu Erdbebenversicherungen: «Kommt es zu
einem Beben wie 1946, sind die Schäden immens»

Beim Begriff Erdbeben denken wir meist an Katastrophen in fernen Ländern wie Indonesien oder Japan. Doch auch in der Schweiz kommt es regelmässig zu Erschütterungen des Bodens. Ein schweres Beben wäre auch hier möglich, wie Bruno Spicher, Leiter Unternehmensgeschäft bei der Allianz Suisse, im Gespräch erklärt. Die Allianz Suisse hat in Zusammenarbeit mit der Pensionskasse der SBB ein Angebot für Hypothekennehmer entwickelt, um Eigenheimbesitzer und Hypothekengeber gegen die finanziellen Risiken eines Erdbebens abzusichern

Herr Spicher, wie gross ist die Wahrscheinlichkeit eines schweren Erdbebens
in der Schweiz?

Bruno Spicher: Das letzte grosse Beben hat es in der Schweiz im Jahr 1946 gegeben. Damals wurden Schäden von auf den heutigem Stand umgerechneten mehreren Milliarden Franken verursacht. Obwohl es bereits mehr als 70 Jahre zurückliegt, sollte man die Möglichkeit eines ähnlichen Ereignisses nicht unterschätzen. Jedes Jahr registriert der Schweizer Erdbebendienst über 500 Erschütterungen. Zuletzt erreichte ein Beben im Kanton Schwyz Anfang März eine Magnitude von 4,6 auf der Richterskala.

Bruno Spicher

Allianz - Bruno Spicher

ist Leiter Unternehmens-versicherungen der Allianz Suisse. 

Warum kommt es in der Schweiz eigentlich immer wieder zu Erdbeben?

Bruno Spicher: Derselbe Prozess, der zu der Entstehung der Alpen geführt hat, verursacht auch die Erdbebenaktivitäten in der Schweiz. Die Beben, die wir hier beobachten, sind die Folge des Aufeinanderprallens der europäischen und der afrikanischen Erdplatten.

«Für grössere Unternehmen und Anbieter von Hypotheken besteht ein Klumpenrisiko»


Bei Erdbeben in der Schweiz gab es in den letzten Jahren nur geringe Schäden. Worin besteht also das Risiko für Unternehmen?

Bruno Spicher: Für grössere Unternehmen und Anbieter von Hypotheken, also Immobilienfonds, Pensionskassen, Banken oder auch Wohnbaugenossenschaften, besteht ein Klumpenrisiko. Denn sie könnten bei einem starken Beben auf einen Schlag bis zu Hunderte von Immobilien als Sicherheiten verlieren. Zudem besteht die Gefahr, dass Schuldner aufgrund von Schäden an den Gebäuden ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können.

Werden Schäden durch ein Erdbeben nicht durch die Gebäudeversicherung abgedeckt?

Bruno Spicher: Wer Hausbesitzer in welchem Umfang entschädigt, ist in der Schweiz nicht klar geregelt. Dass die Gebäudeversicherung zahlt, ist unwahrscheinlich, denn nur ein ganz kleiner Teil der Gebäude ist gegen Erdbeben versichert. Eine gesetzlich vorgeschriebene Erdbebenversicherung als Teil der Gebäudeversicherung gibt es nur im Kanton Zürich.

Welche Folgen hätte ein schweres Erdbeben für Immobilienbesitzer?

Bruno Spicher: Sollte es zu einem Beben wie 1946 kommen, wären die Schäden immens. Sie könnten bis zu einem Totalverlust für den einzelnen Hausbesitzer führen. Ist er nicht versichert, führt dies zu einem Verlust des Eigenkapitals des Immobilienbesitzers und zu einem Ausfall des gewährten Kredites für den Hypothekengeber.

Um dieses Risiko für Hypothekengeber und -nehmer zu brechen, hat die Allianz Suisse mit der Pensionskasse der SBB (PK SBB) eine Erdbebenversicherung für Hausbesitzer entwickelt. Was muss man sich darunter vorstellen?

Bruno Spicher: Die PK SBB verleiht Hypotheken an Privatkunden und Wohnbaugenossenschaften. Somit trägt sie ein erhebliches Kreditrisiko, wenn bei einem Erdbeben belehnte Gebäude, welche als Sicherheit dienen und verpfändet sind, zerstört würden. Wir haben nun eine Erdbebenversicherung gestaltet, bei der zwar die PK SBB die Erdbebenversicherung bezahlt, die versicherten Gebäude aber den Kunden der PK SBB gehören.

«Wir schätzen, dass nur fünf Prozent der Gebäude
gegen Erdbeben versichert sind»

 

Für die PK SBB entstehen so zusätzliche Kosten, während das Angebot für die Hypothekennehmer kostenlos ist. Rechnet sich dies für die PK SBB?

Bruno Spicher: Richtig, die Kosten für die Versicherung trägt nicht der Hausbesitzer, sondern die PK SBB. Trotzdem lohnt sich das Geschäft. Die PK SBB kann nun ihre Hypotheken damit bewerben, dass gratis auch noch eine Erdbebenversicherung dabei ist. Das steigert die Attraktivität des Angebots. Gleichzeitig hat sie aber auch ihr grösstes Problem mit dem Kreditausfall nach Erdbeben gelöst.

Wie kam es zur Zusammenarbeit der PK SBB mit der Allianz Suisse?

Bruno Spicher: Den Ausschlag gab das Angebot der Allianz Suisse, eine hohe Versicherungs-summe übernehmen zu können. Für uns ist die Zusammenarbeit mit der PK SBB eine Mög-lichkeit, bei vielen neuen Kunden in der Schweiz als Versicherer aufzutreten. Uns bot sich hier die Gelegenheit, unsere ganze Expertise im Bereich Erdbebenversicherungen, die wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, einzubringen.

Trotz der realen Möglichkeit eines Erdbebens scheinen die Menschen zurzeit mehr Ängste vor Hackerangriffen zu bewegen. Woran liegt das?

Bruno Spicher: Wenn die Leute die Folgen eines Erdbebens in Mittelamerika oder in Asien im Fernsehen sehen, ist das zwar greifbar, aber doch sehr weit weg. Bei Cyber-Angriffen ist es genau umgekehrt. Man schätzt die Gefahr durchaus als real ein, kann sie aber kaum greifen. Das führt zu Unsicherheit. Deshalb ist es wichtig, für beides vorzusorgen. Ein Erdbeben ist die Naturgefahr mit dem höchsten Schadenpotential für unser Land. Trotzdem sind vielleicht gerade mal 5 Prozent der Gebäude in der Schweiz gegen Erdbeben versichert. Gebäudeeigentümer, aber auch die ganze Volkswirtschaft gehen damit – den meisten unbewusst – ein sehr hohes Risiko ein.

 

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Eine attraktive Lösung für die Kunden

Die Erdbebenversicherung der Allianz Suisse für Kunden der PK SBB ist für alle Eigenheimbesitzer mit einer Hypothek im Mindestwert von 100 000 Franken gültig. Die Kosten für die Versicherung trägt nicht der Kunde, sondern die PK SBB. Aktuell hat die Pensionskasse rund 2,5 Milliarden Franken an Hypothekenkrediten vergeben.

«Das sind zum grossen Teil auch Mitarbeitende von uns», sagt Nancy Wellinger, Leiterin Erst- und Rückversicherung im Versicherungsmanagement der PK SBB. «Deren Existenzsicherung im Falle eines Erdbebens ist für uns wichtig. Genauso wie die Absicherung aller anderen Kunden.»

Die PK SBB versteht die neue Versicherung auch als Marketinginstrument – mit Erfolg. «Es haben sich nach eigener Aussage bereits einige Neukunden aufgrund dieses Angebots für uns entschieden», sagt Wellinger. Die PK SBB ist mit rund 56 000 Versicherten und einem Kapital von rund 17 Milliarden Franken eine der grössten Pensionskassen der Schweiz.

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