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MONTAG, 20. AUGUST 2018

Mut heisst, seinen Traum leben

An einem bestimmten Punkt im Leben will jeder Mensch noch einmal etwas Neues wagen, noch einmal ganz von vorne anfangen oder einfach nur dem Alltag entfliehen. Dazu braucht es Mut. Mut, aus dem Alltag auszubrechen und Mut, sein Leben neu zu gestalten.
 

Wer hat nicht schon mal davon geträumt, sein Leben auf den Kopf zu stellen? Die Zelte abbrechen, etwas Neues wagen und sein Leben endlich in die Hand nehmen. Doch meistens bleibt es bei den Träumen, wir reden uns ein, dass es nicht geht, wegen der Arbeit, den Kindern … oder wir wagen ganz einfach den Absprung nicht. Doch wie immer im Leben gibt es Ausnahmen. Menschen, die ihren Traum leben und dafür ihr Leben auf den Kopf gestellt haben. Theres Ducret zum Beispiel hat ihren Traum verwirklicht.

Die ehemalige Crossair-Pilotin nahm vor rund 17 Jahren all ihren Mut zusammen: Sie hängte ihren Job an den Nagel, um fortan gemeinsam mit ihrem Mann, Martin Binswanger, auf dem Segelschiff Styrr zu leben und eine Art «Hotel auf dem Meer» zu führen. Und als vor elf Jahren die gemeinsame Tochter Ann geboren wurde, gabs lediglich eine dreimonatige Seepause.
 

Ein Leben auf einem Segelschiff – mit Kind: Wie geht das?

Ann war mit drei Monaten das erste Mal auf dem Schiff. Auch ihre ersten Schritte hatte sie auf dem Schiff getan. Die Styrr ist sehr ungefährlich für Kinder, da sie eine grosse, durchgehende Holzreling hat, man kann also nicht einfach so ins Meer fallen. Und weil wir auch immer wieder Gäste mit Kindern an Bord haben, ist Ann bestimmt nicht «völlig isoliert» aufgewachsen. Wir kennen viele andere Segler, die ebenfalls Kinder haben, diese treffen wir immer wieder. Die Sozialisierung, wie sie andere Kinder durch die Krippe oder den Kindergarten erleben, ist beim Leben auf dem Schiff also durchaus Realität.
Und im Falle einer Krankheit haben wir die wichtigsten Medikamente an Bord. Wenn nötig, kann man sich telefonisch von einem Kinderarzt beraten lassen. In ernsteren Fällen gibt es immer noch die medizinische Versorgung an Land.
 

Stichwort Kindergarten. Wie habt ihr das mit eurer Tochter gemacht?

Wir hatten von Anfang an extrem Glück mit den Lehrern und der Schulleitung gehabt. Bis heute sind alle sehr kooperativ, helfen und unterstützen uns. Sie sehen ja auch, dass wir vom Segelbetrieb leben und dass Ann ansonsten ihren Vater nur sehr wenig sehen würde. Wir dürfen sie also immer wieder für ein paar Wochen aus der Schule nehmen. An Bord unterrichte ich sie selbst (ich bin momentan im 4. Semester an der Pädagogischen Hochschule für die Ausbildung zur Primarschullehrerin). Das klappt sehr gut. Ann ist mittlerweile in der 5. Klasse, sie ist gut in der Schule und sozial gut integriert – dass sie immer mal wieder eine Zeit lang weg ist, schadet ihr und ihren Freundschaften also nicht im Geringsten.
 

Wie muss ich mir den Schiffsalltag auf der Styrr vorstellen?

Die Gäste schlafen aus, meistens kommen die ersten so gegen 9 Uhr nach oben. Wenn alle wach sind, gibt's ein grosses Frühstücksbuffet. Danach gehen die meisten ein wenig an den Strand oder schwimmen und schnorcheln vom Schiff aus. Dann wird gesegelt. Die Inseln liegen bei uns meistens nicht sehr weit voneinander entfernt und daher segeln wir zwei bis vier Stunden am Tag. Mittags bereite ich häufig etwas Kaltes vor, Salat und verschiedene Mezzes. Danach gehen die oft nochmals schwimmen, die Inseln erkunden, wandern, schnorcheln, Fahrrad fahren (wir haben Gäste, die ihre Fahrräder mitnehmen).

Gegen Abend, wenn alle wieder an Bord sind, gibt es einen gemütlichen Sonnenuntergangs-Apéro auf dem Vordeck, gefolgt von einem Candle-Light-Dinner. Oder wenn es ein gemütliches Beizchen an Land gibt, gehen wir auch ab und zu dort essen. Es wird alles ganz locker gehalten. Wer mal Lust hat, alleine an Land essen zu gehen, kann das selbstverständlich tun. Jeder soll das machen, wozu er Lust hat! Es gibt keinen Gruppenzwang. Wir haben Gäste, da geht zum Beispiel der Mann den ganzen Tag Fahrrad fahren und wir treffen ihn erst wieder am Abend in einer anderen Bucht. Wir haben aber auch Gäste, die morgens um 5 Uhr losziehen, wandern und dann um 10 Uhr zum Frühstück zurückkommen.
 

Und wie sieht der Tag eurer Tochter aus?

Ann ist eine Frühaufsteherin, weiss aber, dass sie sehr ruhig sein muss, bis die Gäste aufgestanden sind. Nach dem Frühstück geht sie meistens auch baden oder eine Weile an den Strand. Danach sind zwei bis drei Stunden Schule angesagt. Meistens nicht ganz freiwillig (welches Kind möchte nicht lieber schwimmen und schnorcheln gehen statt Aufgaben machen …?), aber sie macht es dann doch ganz gut. Sie liest sehr viel und kann sich auch sehr gut allein beschäftigen. Wir haben jedoch meistens Familien mit Kindern an Bord. Also spielen sie, gehen an den Strand oder fahren mit dem kleinen Segelboot herum. Wenn wir mal keine Kinder an Bord haben, versuchen wir mehr Schule zu machen, damit sie dann mehr frei hat, wenn Familien hier sind. Wir spielen oft Gesellschaftsspiele oder Karten zusammen.
 

Wie grenzt ihr euch als Familie ab?

Die Gäste gehen am Freitag und wir nutzen dann bis Samstagnachmittag die Zeit, das Schiff wieder vorzubereiten – somit haben wir aber auch einen Abend für uns. Wenn viele Gäste kommen, dann ist es nicht immer möglich, sich viel Zeit fürs Familienleben zu nehmen. Morgens bis die Gäste aufgestanden sind oder wenn die Gäste mal Zeit an Land verbringen, dann haben wir ein wenig Zeit, allerdings nicht sehr viel. Wir haben aber auch immer mal wieder eine Woche ganz ohne Gäste – das geniessen wir dann umso mehr.
 

Was ist das Faszinierende am Leben auf See?

Dem Alltag in der Schweiz immer wieder entfliehen zu können. Ich mag das Leben in der Schweiz. Sehr sogar. Aber ich liebe es, immer wieder wechseln zu können. Ann, unsere Tochter, sieht es ebenfalls so. Wir haben nie das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn wir am einen oder anderen Ort sind. Beide Leben bieten sehr viel Gutes. Ich möchte keines von beiden missen. Ich finde es auch schön, Ann ein Leben ganz weit weg von der Schweiz zeigen zu können. Ihr zu zeigen, dass nicht alle Menschen wie wir leben. Dass es so viele verschiedene Menschen, Kulturen, Sprachen und Religionen gibt. Und alles ist gleichwertig. Ann macht keinen Unterschied zwischen einem Afrikaner, einem Inder oder einem Moslem. Darauf bin ich wirklich stolz. Wir haben sehr gute muslimische, jüdische und christliche Freunde. Gerade heutzutage finde ich es wichtig, dass sie sieht, dass die meisten Menschen trotz allem im Prinzip einfach nur in Frieden ihr Leben leben wollen.

Mehr Infos inklusive Segeltörn der Styrr: www.segelreisen.ch

 

Von Nina Merli
 

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