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DIENSTAG, 08. MAI 2018

Fifty-fifty – Ist Mutterliebe teilbar?

Mutterliebe – eine eigentlich unteilbare Grösse. Aber was, wenn sich diese Liebe mit einem Mal auf zwei oder mehr Kinder verteilen soll? Gerechtigkeit gibt es in der Liebe nicht. Aber die wachsende Erkenntnis, dass sich Liebe unterscheiden darf. Und muss. 

 

Die Frage, die ich mir so oft selbst stellte und mir regelmässig von befreundeten
(noch?-) Ein-Kind-Eltern gestellt wird, kann ich heute als Mutter von zwei Kindern mit Überzeugung beantworten: Nein, man kann seine beiden Kinder nicht genau gleich lieben. Und das ist auch gut so. 
 

Recht auf ein Lieblingskind?

Es ist ein bescheuerter Gedanke, den sich nur jemand wie ich erlauben kann, überhaupt zu stellen: Kann ich eines meiner Kinder mehr lieben als das andere? Ich, eine glücksverwöhnte First-World-Mutter von zwei gesunden Kindern. In einer gesunden, fast immer glücklichen Ehe. Mit nie-genug-aber-doch-genug Geld, um gut zu leben – wenn auch mit Ferien im Bündnerland und günstig-aber-hässlichem Familienwagen. Dieser eigentlich bescheuerte Gedanke ist einer von denen, die man sich eigentlich gar nicht stellen darf. Sie wissen schon, welche ich meine. So wie «Wer würde alles an meine Beerdigung kommen?» oder «Wo wäre ich jetzt, hätte ich eben doch den leicht depressiven Architekturstudenten geheiratet?». Die Art Fragen, die als Antwort das Berühren von Holz verlangen anstatt Worte.
 

Niete für das Zweitgeborene?

Als ich mit meiner zweiten Tochter schwanger war, konnte ich mir unmöglich vorstellen, dass ich noch ein Kind so sehr lieben konnte wie meine Erstgeborene. Ich erinnere mich gut daran, wie ich auf dem Sofa sass, mit kugelrundem Bauch und einer Eineinhalbjährigen auf dem Arm, und mir die Tränen kamen, weil mir das Ungeborene so wahnsinnig leid tat, weil es unmöglich jemals den Stellenwert meiner ersten Tochter haben konnte.

Natürlich war es – kaum war das Zweite da – so selbstverständlich wie das Atmen, beide zu lieben. Klar, dass ich mehr als genug emotionale Kapazitäten habe, um zwei Kinder zu lieben. Doch die grosse Überraschung kam erst Jahre später, als ich mir bewusst wurde, dass die Liebe, die ich für meine Kinder als einzelne, sich formende Personen mit eigenem Charakter empfinde, jeweils ziemlich unterschiedlich ausfällt. Manchmal nur für einen kurzen Augenblick, manchmal über Tage oder gar Wochen. Ja, es gibt Zeiten, in denen mir eine Tochter näher steht als die andere – in denen ich eines meiner Kinder irgendwie mehr «spüre». Oder in denen mir ganz einfach eine meiner Töchter auf die Nerven geht. Ich bin nicht Mutter Theresa, ich bin einfach Mutter.
 

All-in-one: Multiple Mutterliebe

Was aber diesen eigentlich unglaublich unfairen Liveticker meiner Zuneigung für meine Kinder erträglich macht, ist die Erkenntnis, dass meine Töchter eigentlich auch zwei ziemlich unterschiedliche Mütter brauchen: Die Grosse braucht mehr Platz zum Atmen, musste schon immer (ein bisschen wie eine Katze) selbst entscheiden dürfen, wann sie Nähe will und wann ihren Raum. Sie braucht eine Mutter, die viel Vertrauen in sie hat und ihr Freiraum gibt – die aber auch weiss, wann sie (trotzdem!) aufrücken muss, um Halt zu geben.

Die Kleine hingegen brauchte schon immer klare Ansagen und Regeln, die sich nicht je nach Tagesform anpassen lassen. Energiegeladen, quirlig und zwischenzeitlich auch unglaublich anstrengend fordert sie ihren Platz bei uns ständig ein. Und muss ihre Grenzen spüren, um ruhig zu werden und sich geborgen zu fühlen. Sie braucht also eine Mutter, die ihr ständig ganz klar sagt: Das darfst du, das darfst du nicht, so ist die Welt – und dein Platz darin ist sicher.
 

Die Mär von der gleichen Liebe

Und deshalb weiss ich auch, dass es in Ordnung ist, meine Kinder in jedem Augenblick eigentlich unterschiedlich zu lieben – so lange sich dabei die Waage hält und ich keines meiner Kinder auf Dauer bevorzuge. Eine der wichtigsten Erkenntnisse nach 12 Jahren Mutter sein? Es gibt kein einziges, unerschöpfliches «Reservoir» an Mutterliebe, aus dem ich grosszügig und gerecht schöpfen kann. Meine Mädchen sorgen selbst sehr erfolgreich dafür, dass die Welt (und ihre Eltern) möglichst gerecht mit ihnen umgeht; müssen aber auch akzeptieren lernen, dass es nicht immer zu 100 % fair zugehen wird.

Ein Lieblingskind? Habe ich eigentlich ständig. Um welches es sich gerade dabei handelt, ist aber völlig egal. Mein Job als Mama von zwei Kindern ist es, meine Töchter so zu nehmen, wie sie gerade sind. Und ich bin ziemlich zuversichtlich, dass sie es deshalb auch als ihren Job sehen, mich so zu nehmen, wie ich gerade bin. Und ich kann zwischenzeitlich auch ganz schön nerven, glauben Sie mir!

 

Von Steffi Hidber
 

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