Hauptnavigation Zurück

 
FREITAG, 29. JUNI 2018

Mutter sein ist nicht leicht –
Oder: Wie erfülle ich die Bedürfnisse meiner Kinder?

Über Bedürfnisse wird viel gesprochen, vor allem über die Grundbedürfnisse von Kindern. Zu Recht. Aber was ist eigentlich mit meinen als erwachsene Frau? Und denjenigen als Mutter? – Ich bin zurzeit in den Ferien mit einer guten Freundin, die nach zehn Jahren Schulabstinenz wieder die Schulbank drückt. Ihre Weiterbildung umfasst ganz, ganz viel Selbstreflexion. Und wir haben uns heute – nach mindestens zwei Gläsern Prosecco und einer halben Flasche Rotwein (hey, heute ist schliesslich mein Geburtstag!) – über die Maslowsche Bedürfnispyramide unterhalten, die sogenannte Bedürfnishierarchie des amerikanischen Psychologen Abraham Maslow, die direkt nach den physiologischen Bedürfnissen (dem Lebensnotwendigen) die Sicherheitsbedürfnisse stellt.

Sie wissen schon: Schutz, Sicherheit, Regeln, Gesetze, Limits und Stabilität. Darüber gibt’s nur noch das seelische Beigemüse: Luftiges wie Zugehörigkeit, Liebe, Wertschätzung und weitere kognitive und ästhetische Bedürfnisse. Und ganz oben auf der Pyramide, sprich dort, wo die wenigsten von uns überhaupt hinkommen vor lauter Untere-Levels-Abarbeiten, sind dann noch Selbstverwirklichung, Wachstum und schliesslich das Anderen-bei-der-Selbstverwirklichung-Helfen.

Und jetzt (endlich!) der total bodenständige Einschub: Denken Sie eigentlich dasselbe wie ich gerade? Liegt es am erhöhten Alkoholpegel und der Ferienstimmung (keine Sorge, die Kinder sind satt, sauber und bereits im Bett!) oder will ich jetzt wirklich behaupten, dass meine – unsere – Rolle als Mutter eigentlich darin besteht, diese ganze verdammte Bedürfnispyramide nach Maslow mit meinen Kindern umzusetzen? Die Grundbedürfnisse von Kindern abzudecken, ist für uns in der wohlhabenden Schweiz glücklicherweise selbstverständlich.

Doch bereits bei den seelischen Musts fangen wir als Eltern von kleinen Menschen, die die Pyramide ohne unsere Hilfe doch niemals erklimmen können, zu zweifeln an: «Kriege ich das hin?», «Was mache ich dabei falsch?» und «Wie, um Himmels Willen, kann ich das denn meinem Kind ermöglichen, wenn ich doch selbst gar nicht sicher bin, wie ich meine eigenen Bedürfnisse jemals erfüllen soll?». Ja, Mutter sein ist anstrengend. Eine gute Mutter sein erst recht. Und über das Mutter sein hinaus auch noch Frau mit ganz eigenen Bedürfnissen bleiben allemal.

Aber die Fragen werden insbesondere für junge Eltern, die sich immer noch in diesem benebelten Alles-ist-neu-Taumel befinden, eine andere Bedeutung haben. Wer hat schon Zeit, sich zwischen Aus-der-Krippe-Abholen, Maul-und-Klauenseuche-Behandeln und dem Ausfüllen der Steuererklärung mit philosophischen Fragen zu beschäftigen? Dass Mutter sein nicht leicht ist, merkt man spätestens dann, wenn es gilt, erneut das kleine Einmaleins zu büffeln. Da entschädigt nur, wenn es einem gelungen ist, die beiden Kinder ganz alleine zu Hause zu lassen, während man sich selbst ein Abendessen beim Italiener ums Eck gönnt. Was also bedeutet Mutter sein wirklich? Freiheit! Selbstbestimmung! Fast wie früher, nur einfach mit mehr Lebenserfahrung und angepassten Bedürfnissen.

Diese Pyramide, liebe Allianz-Blog-Leserinnen und -Leser, könnte genauso gut der Mount Everest sein, den wir zeitlebens aus der Ferne betrachten. Ob mit Schrecken oder Sehnsucht: Die Chance, dass wir eines Tages seinen Gipfel erklimmen und der Welt von dort zuwinken werden, ist verschwindend gering. Aber das Bewusstsein, dass wir es erreichen könnten, wenn wir nur wirklich, wirklich wollten und bereit wären, auf vieles in unserem Leben zu verzichten, das haben wir. Schlafmangel, Kindergarten-Eingewöhnung und Ehekrach – Mutter sein ist anstrengend. Deshalb kann die Bedürfnispyramide warten, jedenfalls heute. Mir reicht, dass die Bedürfnisse der Kinder fürs Erste gedeckt sind. Dass wir satt sind. Und dass wir alle einschlafen können mit dem Gefühl, geliebt zu werden und ein Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich, wenn es darauf ankommt, absolut genügt.

Und ja. Vielleicht drücke auch ich wieder mal die Schulbank. Aber erst muss ich endlich dieses verdammte kleine Einmaleins lernen. Sonst kann ich es meiner Zehnjährigen ja niemals beibringen …
 

Von Steffi Hidber
 

WIE SIE KINDERGEBURTSTAGE ÜBERLEBEN

Kinder sind mutig. Auch übermütig. Das hinterlässt Spuren. Auch solche, die bleiben.

ZU DEN ÜBERLEBENSTIPPS

MACHEN KINDER GLÜCKLICH?

Solche und ähnliche Studien haben Konjunktur. Aber kann man Glück überhaupt messen?

ZUR SUCHE NACH DEM GLÜCK

ZU VIEL DES GUTEN?

Ein-, zwei- oder mehr mehrsprachig? Fürsorge geht auch ohne Worte. 

EINE MAMA ERZÄHLT

KONTAKT

Kundenservice

+41 58 358 71 11

family@allianz.ch


Family Newsletter

Jetzt anmelden

BERATUNG

Wünschen Sie kompetente und schnelle Beratung? Nehmen Sie Kontakt mit unseren Beratern auf.

Berater finden

Termin vereinbaren