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DONNERSTAG, 19. JULI 2018

Kind und Karriere – zu jedem Preis?

Kind und Karriere – beide Lebensentwürfe miteinander zu vereinbaren, Prioritäten zu setzen oder sich womöglich für das eine und gegen das andere zu entscheiden, ist Thema vieler Frauen. Diskussionen darüber finden nicht nur im Privaten statt, sondern werden gesellschaftspolitisch längst auf breiter Ebene gehandelt. In den USA beteiligen sich gar grosse Unternehmen indirekt an der Familienplanung ihrer Mitarbeiterinnen.
 

Bei Unternehmen wie Facebook oder Apple gehört es zum Firmenalltag: der finanzielle Zuschuss zum Social Freezing. Denn die beiden Silicon-Valley-Giganten unterstützen bereits seit 2014 bzw. 2015 Mitarbeiterinnen, die ihre Eizellen zwecks Familienplanung einfrieren lassen wollen, mit bis zu USD 20 000.

Im Augenblick belaufen sich die Kosten in den USA auf rund USD 100 000, dazu kommen USD 500 «Einfrierungskosten» pro Jahr. Eine ganze Stange Geld also, die Frauen oder Paare auf sich nehmen müssen, wenn sie sich auf ihre Karriere konzentrieren und den Kinderwunsch danach richten wollen.

Auch wenn Frauen in den USA voll des Lobes für die gross angekündigte Frauenförderungsaktion sind und begeisterte Erfahrungsberichte zu Karriere und Kind in Umlauf bringen, und auch wenn Facebook-COO Sheryl Sandberg (Autorin von «Lean In») mittlerweile als moderne Vorzeige-Frauenrechtlerin gefeiert wird, die Kind und Karriere erfolgreich vereinbart, hält sich meine Begeisterung für diesen neuen, speziell auf Frauen ausgerichteten Karriereschubs in Grenzen.

Social Freezing ist ein heikles Thema, das bei der Frage Kind oder Karriere dem Pro und Contra Argumente genauso zuspielt wie wieder abringt. Es wäre aber allzu einfach, Social Freezing als simple Lifestylemedizin oder weibliche Egoaktion abzutun (an dieser Stelle empfehle ich das Essay von Spiegel-Autorin Nicola Abé). Ausserdem ging dieser Kelch an mir vorüber, da ich ja bereits Mutter bin und sich mir die Frage «Kind oder Karriere: Was hat Priorität?» gar nicht mehr stellt. Auch folge ich Themen wie «Kind statt Karriere» oder «Kind und Karriere: Geht das?» in Diskussionsforen als mehr oder weniger Unbeteiligte. Ziemlich überheblich also, aus dieser Komfortzone heraus über Frauen zu urteilen, die ernsthaft über dieses Angebot nachdenken, weil sie den passenden Partner noch nicht gefunden haben.

Oder auch, weil sie den passenden Zeitpunkt abwarten wollen, um sich dann zwischen Kind und Karriere entscheiden zu können. Und voilà, bei diesem Argument regt sich in mir bereits ein wenig Widerstand. «Vielleicht haben Sie Mr. Right noch nicht gefunden oder vielleicht benötigen Sie einfach noch mehr Zeit, um sich auf Ihre Ausbildung oder Karriere zu konzentrieren?» – Mit diesen und ähnlichen Worten umwerben Anbieter, welche sich auf die Kapitalisierung von Social Freezing spezialisiert haben, Frauen, die ihre biologische Uhr nicht mehr ticken hören wollen.

Voll auf die Barrikaden gehen möchte ich aber, wenn sich Firmen unter dem Deckmantel der Frauenförderung in die Familienplanung einmischen. Denn das Angebot hat eine ganz klare Message: Berufstätige Mütter sind cool, wenn sie vorher Karriere gemacht haben. Kinder und Karriere sind kein Problem, sofern man sich zuerst für die Karriere entscheidet und dann für die Kinder.

Wenn man Firmen erlaubt, ihren Mitarbeiterinnen dieses Angebot zu unterbreiten, muss man sich auch nicht wundern, wenn der Druck auf Frauen in der Arbeitswelt zusätzlich steigen wird. Oder hätten Sie Lust, Ihrem Arbeitgeber trotz grosszügigem Tiefkühlbonus zu erklären, dass Sie JETZT ein Kind möchten und nicht erst dann, wenn es der Businessplan zulässt?
 

Von Nina Merli
 

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