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DONNERSTAG, 19. JULI 2018

Einzelkind oder Geschwister?
Die Vorteile und Nachteile im Selbstexperiment

Angesichts beruflicher Einschränkungen oder fehlender Krippenplätze stellt sich bei der Familienplanung häufig die grundsätzliche Frage, ob man ein Einzelkind oder Geschwister grossziehen möchte. Welche Vorteile bietet ein Einzelkind und welche Nachteile gibt es? Eins jedenfalls bleibt unbestritten: Mit (nur) einem Kind gestaltet sich das Leben anders.
 

Für uns war klar: wenn Kinder, dann bitte zwei. Jahre später, mitten in der Gehst-du-bitte-schauen-ich-war-erst-grad-Phase der leise Gedanke, dass vielleicht eines doch gereicht hätte. Doch erst, wenn man mit nur einem Kind in die Ferien fährt, erkennt man auch die wirklichen Vorteile eines Einzelkinds und erlebt, wie unglaublich intensiv so eine Mami-Papi-Kind-Konstellation sein kann.

Nur gut, sind wir gerade in den Bergen in den Herbstferien – zum ersten Mal in unserem Familienleben mit nur einem Kind: Die Grosse ist im Ferienlager, zusammen mit ihren siebenhundert viel cooleren, gleichaltrigen Freunden. Und für Nik und mich wird jetzt langsam klar, wie ANDERS alles ist, wenn man nur ein Kind hat.
 

Die Konversation

Mangels Konkurrenz am Esstisch, an dem wir als Familie eben doch jeden Morgen und jeden Abend sitzen, quasselt das Kind, das auch mit Schwester viel quasselt, noch viel, viel mehr. Das geht weiter als das übliche So-war-mein-Tag-Berichten und nähert sich sogar einer Art laufender Livevertonung eines jeden Gedankens. Und das geht dann so weit, dass wir Eltern sagen müssen, dass wir jetzt auch mal miteinander reden möchten, nur um uns anschliessend zu fragen, ob dieses Sprechverbot zu den Nachteilen eines Einzelkinds gehört. – Reden echte Einzelkinder denn auch so viel?
 

Die Manieren

Interessanterweise verhält sich das Einzelkind auf Zeit viel braver: Es werden weder unanständige Wörter benutzt noch wird die Gabel mit der rechten Hand zum Mund geführt. Ist es, weil kein Geschwister da ist, mit dem es sich streiten kann? Verflüchtigt sich die Streitlust dann einfach? Ergeben sich daraus später womöglich für Einzelkinder Probleme hinsichtlich ihrer Durchsetzungsfähigkeit? Und gehört dieses «Bravsein» zu den typischen Eigenschaften von Einzelkindern? – Interessant. Das muss ich mit Einzelkindeltern noch anschauen.
 

Der Belohnungsanspruch

Die Vorurteile gegenüber Einzelkindern in Sachen «Haben-Wollen» erfüllt unser kurzzeitiges Einzelkind allerdings voll. Während es sich sonst in den Ferien mit einem «Nein, das darfst du nicht haben» abspeisen lässt, scheint es hier als Miniprinzessin seiner Rolle gerecht werden zu wollen. Plötzlich findet es ganz viele Dinge, die es jetzt unbedingt braucht – von den warmen Handschuhen und Winterstiefeln (im Sportgeschäft) über Haargummis und -bürsten (in der Drogerie) bis hin zur Wimperntusche (mit elf!). Die Trefferquote ist jedoch leider nicht höher, als wenn die Schwester dabei ist, was sie nicht davon abhält, es trotzdem zu versuchen. Und zwar bei jeder Gelegenheit.
 

Der Mut

Eins ist sicher: Einzelkinder und ihre Familien pflegen auf jeden Fall einen höheren gegenseitigen Aufmerksamkeitsanspruch … In der Nacht die Zimmertüre einen Spalt offen lassen? Von «seltsamen Geräuschen» berichten, nicht im üblichen Dachzimmer schlafen wollen und keinesfalls im Dunkeln aufs WC? Hier merken wir klar, dass man ohne Geschwister viel mehr Dinge findet, vor denen man Angst haben könnte: Sogar der Nachbarshund ist plötzlich «gfürchig», obwohl man sonst immer direkt auf ihn zugerannt ist.
 

Das Elternpaar

Ganz ehrlich – das hier fühlt sich fast ein bisschen wie Paarferien an. Nur, dass die Romantik regelmässig von einem sehr mitteilungsfreudigen Kind gestört wird. Die Dynamik verändert sich, und schnell auch werden die Vorteile für Eltern eines Einzelkinds deutlich: Zwei gegen eine, die Eltern sind in der Überzahl und bestimmen den Alltag viel mehr, als wenn man alles mit zwei Kindern aushandeln muss. Eine gute Vorbereitung auf die bevorstehenden, längst überfälligen Kurzferien ohne Kids … aber auch ein bisschen unfair dem Kind gegenüber, oder?

Natürlich ist es mit so einem «Einzelkind auf Zeit» total etwas anderes, als den Alltag sonst immer zu dritt zu bestreiten. Einzelkinder bauen eine ganz andere Beziehung zu ihrer Umwelt auf. Lily ist es nicht gewohnt, nicht ständig um unsere Aufmerksamkeit buhlen zu müssen, ob nun am Esstisch oder unterwegs. Andererseits merken wir, dass sie sich – trotz der Tatsache, dass sie alle paar Stunden beteuert, wie schön es sei ohne ihre nervige Schwester – ein kleines bisschen langweilt, so nur mit uns beiden Alten. Sind Einzelkinder vom Charakter her anders als Kinder mit Geschwistern? Wäre Lily vom Charakter her wirklich anders geworden als Einzelkind?

Der spannendste Fakt zum Schluss: Die grosse Schwester Mia schreibt aus dem Lager die herzigsten Textnachrichten. «Ich vermisse euch so sehr!» (mit tausend Emojis zur Unterstreichung). Und mit der letzten, breit angelegten Vermutung über Einzelkinder (dass sie ihre Emotionen viel besser ausdrücken können) schliesse ich diese Mutmassungsrunde nun ab und frage Sie, die Eltern von Einzelkindern:

Ist es schöner, ein Kind zu haben statt mehrere? Darf man so etwas überhaupt fragen?

Sagen Sie uns Ihre Meinung. Wir sind gespannt.  
 

Von Steffi Hidber
 

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